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Chronik von Wollaberg

Nach alten Karten reichte das Gebiet der sogenannten "sieben künischen Dörfer" ("künisch=königlich" wegen der über 250 jährigen Zugehörigkeit zu den Habsburgern) bis zum Dreisessel, war aber außerhalb dieser Ortschaften nicht bewohnt.

Der Name Wollaberg entstand nach Meinung von Georg Brand (Pfarrer in Wollaberg von 1893 bis 1903) aus Walchen oder Walschen und deutet auf römischen Ursprung. Jedoch liegt Wollaberg außerhalb des früheren römischen Reichs.
Mit Walschen oder Walchen wurden die Römer von den Germanen genannt. Wahrscheinlich gerieten hierher versprengte Römer, als das römische Reich zusammenbrach und ließen sich hier nieder. Wohl auch deshalb, weil man sich hier auf dem Wege des Handels mit Böhmen befand.
Demnach wäre Wallern in Böhmen die Station für die zweite Tagesreise. Auch fällt die ähnliche Namensgebung auf, und dass in Wallern alle halbe Stunde geläutet wurde, damit sich die Irrenden im Wald zurecht finden. Auch in Wollaberg wurde bis ins 19. Jahrhundert zum gleichen Zweck geläutet. Dagegen haben Grund, Heindlschlag, Aßberg, Rosenberg, Hintereben und Jandelsbrunn rein deutsche Namen.
Auch kann der Name Wollaberg von wallern, wallfahren herführen, was man eher annehmen kann.

Eine andere Theorie verfolgte Prälat Dr. Schmöller, der hier auch geboren wurde. Er vermutet, dass Wollaberg mit den umliegenden Dörfern um 1257 entstanden seien, weil um diese Zeit dieses Gebiet vom Bischof von Passau als Lehen an die in der naheliegenden Burgen vergeben wurde, um seine Kriegsschulden zu bezahlen. Deshalb versuchten diese Besitzer der Burgen, so schnell wie möglich, dieses Gebiet zu besiedeln, um selbst Lehen zu erhalten.

Die Eifersucht der Waldkirchener und des passauischen Fürstbischofs, der für seine Einkünfte Waldkirchen brauchte, da er in Waldkirchen auch politischen Einfluss besaß (Wollaberg mit Umgebung war 260 Jahre lang unter österreichischer Herrschaft, deshalb der Name „künisch“=königlich), ließen Wollaberg nicht zu vollen Entwicklung kommen.
Trotz ihres Bestrebens der Wollaberger von 1692 bis 1710 um Selbständigkeit, erhielten sie keinen Seelsorger, weil Graf Ferdinand von Salburg als Herrschaftsinhaber den Waldkirchenern nicht feierlich zusicherte, keinen Ochsenmarkt etc. in Wollaberg abzuhalten. Denn wo eine selbständige Pfarrstelle ist, gehörten immer Wirtshäuser, in denen die Pfarrkinder bei Tauftrunk, Hochzeitsfest und Totenmahl einkehren mussten, gehörten Handwerker und Krämer, gehörten eben Märkte. Dort trafen sich die Bauern aus den Dörfern, konnten dort auf den Wochenmärkten ihre Überschussprodukte absetzen, wie Getreide, Vieh, Butterschmalz, Eier und hier wieder ihren Warenbedarf decken.

Waldkirchen wollte und konnte es sich nicht leisten, einer Abtrennung zuzustimmen, denn der Waldkirchener Pfarrer hätte seinen Zehent verloren (eine wichtige Einnahmequelle) und die Bürger Waldkirchens hätten Einbußen hinnehmen müssen, obwohl die Rannariedler Grundherrschaft bitter klagte, "mehrer dem Marckht zu Waldtkürchen zu helffen, alß der Seelen Heill zu beobachten gedacht". Vermutlich stand schon im 12. Jahrhundert auf den Wollaberg ein Kirchlein. Es ist bekannt, dass schon im 14. Und 15. Jahrhundert rege Wallfahrten auf den Wollaberg existierten. Freyunger Kirchenbücher schreiben davon. Die Wollaberger Wallfahrtskirche ist dem Hl. Ägidius geweiht, und im Mittelalter verehrte man diesen Heiligen (einer von den 14 Nothelfern) für das Vieh und die Landwirtschaft und gegen die Pest.

Im 16. Jahrhundert findet die erste urkundliche Erwähnung der Pfarrei Wollaberg statt, denn eine Urkunde von 1530 berichtet davon, dass die Wollaberger den dritten Teil des Zehents an einen Pfarrer mit Namen Ignatius Späth zahlten. Auch berichtet Pfarrer Kajetan Wild (von 1762 bis 1780 Pfarrer in Wollaberg), dass es in alten Handschriften noch heißt: "In der Pfarrei Wollaberg gelegen".
Lieder aber fielen im Mittelalter der Großteil der Bevölkerung der Beulenpest zum Opfer, und somit auch die Pfarrei Wollaberg. Sie wurde zur Pfarrei Waldkirchen geschlagen, aus der sie ursprünglich entstand.

Bei Grabungen in der Kirche 1973 stieß man auf Grundmauern des wahrscheinlich ältesten, steinernen Kirchenbaus, von dem keine schriftlichen Belege existieren. Diese kleine Kirche musste um 1500 einem größeren Kirchenbau weichen (siehe Grundriss). 1641 war diese Kirche wieder schon sehr baufällig und im Pestjahr 1650 brannte die Kirche mit dem nebenstehenden Richterhaus ab. Die Kirche wurde im spätgotischen Stil 1655 auf den stehengebliebenen Grundmauern wieder aufgebaut.
Der Turm wird bereits 1570 als Wehrturm erwähnt; wann er gebaut wurde ist unbekannt. Man erkennt noch heute die zum Teil zugemauerten Schießfenster.

Wollaberg war im Mittelalter ein strategisch wichtiger Punkt und hatte die Aufgabe, die Klafferstraße zu sichern, die auch die Verbindung war nach Südböhmen, dem Herrschaftsgebiet der katholisch gebliebenen, mit dem Passauer Bischof verbündeten Rosenberger auf Krummau. Die Klafferstraße war die wichtige Handelsstraße für das Vieh zwischen Bayern und Ungarn; daher noch der Name 'Ungarsteig'. Im Jahr 1458 zogen die Passauer ins Böhmische, verbrannten einige Dörfer und raubten Vieh, ein wertvolles Gut. Im Gegenzug kamen die Böhmen und besetzten 1472 Wollaberg um die Klafferstraße zu sperren. Es ging damals um religiöse und politische Auseinandersetzungen. Der Fürstbischof von Passau beschwerte sich bei Papst Paul II. über die Schäden, die die böhmischen "Häretiker" anrichteten (denn auch Politik ließ sich ins Spiel bringen).
Die "Ketzerei", vor allem des Waldensertum, scheint im 13. und 14. Jahrhundert ebenso wie in ganz Oberösterreich und Südböhmen aber auch in unserem Gebiet verbreitet gewesen zu sein; ja war offensichtlich eine allgemeine Begleiterscheinung der großen Rodungs- und Siedlungsbewegung. Jedenfalls traten in Oberösterreich und Südböhmen die Waldenser, Bürger wie Bauern, massenhaft auf. Sie suchten den eigenen Weg zum Heil, hatten Wanderprediger, verweigerten den Eid und leugneten das Fegefeuer, wurden deshalb von der Inquisition verfolgt, verhaftet, verhört, verurteilt und auf den Scheiterhaufen verbrannt. 1410, noch vor Ausbruch der hussitischen Revolution, soll sich der Passauer Bischof mehrere Monate in Untergriesbach und Waldkirchen aufgehalten haben um der "Ketzerei" entgegenzuwirken. Aus Inquisitionsprotokollen kann man erfahren, dass sich im Leben dieser Sekten verborgene Schlupfwinkel unter den Häusern als Ort geheimer Zusammenkünfte und religiöser Handlungen eine bedeutende Rolle spielten. Die vielfach bei uns vorkommenden unterirdischen Gänge und Kammern, im Gasthaus Lichtenauer (ehemaliges Schloss) sogar der Fluchtweg nach Aßberg, kann so einer historischen Deutung beigemessen werden.
Unsichere Zeiten gab es oft. Dabei ging es um Brandschatzung aufzuerlegen, um Geld zu erpressen, Repressalien der mittelalterlichen Fehderechte, Gebietsansprüche (durch die unbestimmte Landesgrenze) und natürliche hohe Politik. Auch der militärische Beweggrund kommt in dieser Siedlungstätigkeit zum Ausdruck. Denn die Orte sperrten die Straßen und somit auch die Landesgrenzen, als Maßnahme zur Gewinnung neuer Herrschaftsräume und ihre militärische Sicherung, als Mittel zur Schaffung grundherrlicher Einkünfte und Zehentsammler.

Da Wollaberg von 1506 bis 1765 österreichisch war, versuchten die Wollaberger durch ihre Landesherrin "Kaiserin" Maria-Theresia wieder Pfarrei zu erhalten. Bereits 1670 versuchten die Wollaberger eine eigene Pfarrei zu bekommen; aus dieser Zeit stammt die vom Richter Adam Göschl, der in der Kirche begraben liegt, gestiftete und reichverzierte Ägidius-Glocke, die heute noch ihren Dienst versieht. Fälschlicher Weise wurde sie als ein Geschenk der "Kaiserin" Maria-Theresia betrachtet und wird deshalb auch heute noch so genannt.
Diese griff nun persönlich ein, aber der Bischof von Passau wollte im Ausland keine eigenständige Pfarrei (wieder) errichten. Als die Kaiserin wiederholt eingriff, erhielten die Wollaberger 1751 eine Expositur und der Geistliche sollte bis zur Errichtung eines eigenen Hauses im Schlosse wohnen (heute Gasthaus Lichtenauer). Ein Anwesen wurde am Rand von Wollaberg 1759 gekauft, das alte Haus abgerissen und der heutige Pfarrhof darauf gebaut. 1765 kaufte Fürstbischof Firmian dieses Gebiet um Wollaberg für 137.787 Gulden von Österreich zurück. Er kaufte auch das Schloss von der Herrschaft Chlam und funktionierte es in ein Jagdschloss um, da er ein begeisterter Jäger war. In der nähe von Jandelsbrunn legte er auch einen Fasangarten an, dessen Dorf heute noch so heißt.
1767 wurde dann Wollaberg zum selbständigen Pfarrvikariat mit ständig zwei Seelsorgern erhoben.
1807 strebten die Wollaberger einen Neubau ihrer Kirche an, dieser wurde aber abgewiesen, da das Fürstbistum Passau zu Bayern fiel. Erst 1844 konnte mit dem Bau begonnen werden. Man wollte zuerst die gesamte Kirche abreißen, entschloss sich aber, den Turm und das Langhaus stehen zu lassen und dieses als Presbyterium zu nutzen. Das Mittelschiff mit den Seitenschiffen wurden an das alte Langhaus angebaut und gewestet. Den Entwurf stammte von Zivilbauminspektor Leonhard Schmidtner. Leider wurden in dieser Zeit zum Teil sehr alte Votivbilder, Zeugen einer einst großen Wallfahrt, achtlos veräußert. Eine alte Christus-Skulptur (sie zeigte Jesus im Kerker) wurde in die "Bründl-Kapelle" (auch Wieskirche genannt) überführt, wo sie in diesem Jahrhundert mitsamt Votivbildern gestohlen wurde. Sie sind seitdem verschollen.
1895 erhielt Wollaberg durch Pfarrer Georg Brand endlich wieder den Statut der Pfarrei, erhielt den Stiftungsbrief, die Kirche wurde entwässert und reich bemalt. Drei Glocken wurden 1917 vom Turm geholt und für Kriegszwecke eingeschmolzen. 1921 kamen wieder drei Glocken in den Turm die wiederum 1942 von dort runter geholt wurden. Glücklicherweise wurde die Ägidius-Glocke verschont. Seit 1950 ist das Geläute mit 4 Glocken wieder vollständig.
1972 wurde die Kirche abermals renoviert, denn der Kunstgeschmack wurde ein anderer. Leider wurde hier sehr viel zerstört; es war die Zeit des berühmten "Modernen Bildersturms". 1977 wurde die neue Orgel der Firma Eisenbarth eingeweiht.

Von 1999 an bis zum Herbst 2002 dauerte nun die letzte und gründliche Renovierung der Pfarrkirche.
Zuerst wurde die Außenfassade gründlich gesäubert, anschließend wendete man sich der Innenrenovierung zu. Verschiedene Vorschläge wurden eingeholt und schließlich entschied man sich zur ursprünglichen Fassung von 1895. Diese wurden nun durchgeführt und im Oktober 2002 wurde der Abschluss der Renovierung mit Bischof Schraml aus Passau feierlich abgeschlossen. Nun erstrahlt die Kirche wieder in ihrem urspünglichen Glanz.

Jeden 13. von Mai bis Oktober finden Stiegenwallfahrten statt, die immer sehr gut besucht sind. Man versammelt sich beim alten Pfarrhof, mitten im Ortskern und wallfahrtet dann über die 165 Stiegen zur Wallfahrtskirche, um in dieser einen Wallfahrtsgottesdienst zu halten. Hier wird wieder das alte Wollaberger Muttergotteslied gesungen.

Auf dem Gebiet der Pfarrei Wollaberg entstanden im Jahre 1921 Hintereben als Pfarrei und noch viel später, im Jahre 1968, Jandelsbrunn als Pfarrei.

Hier eine Liste aller in Wollaberg tätigen Priester und Kooperatoren.



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